Gedächtnistechniken und Eselsbrücken
Vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis
Damit man Informationen auch nach Wochen, Monaten oder sogar Jahren aus dem Gedächtnis abrufen kann, müssen diese im Langzeitgedächtnis gespeichert worden sein. Nur wie gelingt dies?
Am effektivsten funktioniert das Erinnern, wenn beim Lernen sowohl die rechte als auch die linke Gehirnhälfte beteiligt sind.
Die linke Seite des Gehirns ist zuständig für das Denken, die Logik, Sprache, Zahlen oder auch Analysen. Der rechte Teil kommt dagegen zum Einsatz, wenn es um Fantasie, Bilder, Farbe, Rhythmus, Gefühle oder Musik geht. Beschäftigen sich nun beide Teile des Gehirns mit dem Lernstoff, so wird er sicherer und fester verankert und es ist wahrscheinlicher, dass man sich später an ihn erinnert.
Schon Simonides wusste, wie es geht
Der antike Poet Simonides gelangte nicht nur durch seine literarischen Talente, sondern auch durch seine Gedächtnisstärke Berühmtheit. Es wird überliefert, dass die Götter, nachdem seine Auftraggeber den Poeten schlecht honoriert hatten, dessen Haus zum Einsturz brachten. Simonides, der das Gebäude kurz zuvor verlassen hatte, war mühelos in der Lage, die Opfer dank seines guten Raumgedächtnisses zu identifizieren. Er rekonstruierte das Gebäude und die Positionen der einzelnen Personen, indem er es im Geiste Raum für Raum abschritt.
Aufgegriffen wurde die Simonides-Technik von den griechischen und römischen Rednern, die sie im Laufe der Jahre immer weiter verfeinerten. Dank der Simonides-Technik gelang es den Rednern, die wichtigsten Stellen ihres Vortrags im Gedächtnis parat zu haben. Dabei gingen die Rhetoriker folgendermaßen vor: Sie ordneten wichtige Wörter oder Sachverhalte bestimmten Orten oder Plätzen zu. Dann gingen sie diese im Geiste ab und riefen sich dabei die entsprechenden Sachverhalte in Erinnerung.
Mit Ketten und Reimen zum Erfolg
Die Ketten-Technik ist eine einfach anzuwendende Methode, um sich Begriffe besser merken zu können. Denn die zu lernenden Wörter werden wie die Glieder einer Kette aneinandergehängt und dazu wird dann eine Geschichte gebildet.
Je lustiger und unsinniger die Geschichte ist, umso besser kann man die Begriffe behalten.
Die Reimtechnik gilt als eine der ältesten und bekanntesten Gedächtnistechniken. Sie funktioniert besonders gut, da sich Reime gut lernen und behalten lassen.
ABC-Technik oder Merkwortsystem?
Bei der ABC-Technik wird jedem Buchstaben des Alphabets in Gedanken ein Bild zugeordnet. Möchte man sich nun eine Reihe von Begriffen merken, so ordnet man sie einfach seinen persönlichen Kennwörtern zu. Also „Buch“ zu „Biene“, „Füller“ zu „Fisch“ usw. Nachteil: Man muss seinen persönlichen Kennwort-Katalog wirklich gut beherrschen, damit die Methode klappt.
Ganz vergleichbar funktioniert das Merkwortsystem für das Behalten von Zahlen. Auch hier ordnet man zunächst jeder Zahl von 1 bis 10 gedanklich ein Bild zu, zum Beispiel.: 1 = Baum (da 1 Stamm), 2 = Brille (da 2 Gläser), 3 = Dreirad (da 3 Räder), usw. Anschließend verknüpft man diese Zahlen-Merkwörter gedanklich mit den zu lernenden Fakten, zum Beispiel einer Telefonnummer. Diese lautet in Gedanken dann nicht mehr "63754", sondern zum Beispiel „Würfel, Dreirad, 7 Zwerge, Hand, Fenster“. Verknüpft man diese Kennwörter anschließend mithilfe der Geschichtentechnik, vergisst man die Telefonnummer bestimmt nicht mehr.
Der Taschen-Trick
Der Taschen-Trick bietet sich in solchen Situationen an, in denen man eine Rede oder ein Referat halten muss, aber keinen Stichwortzettel benutzen kann.
Zunächst legt man sich zu Hause ein paar kleine Gegenstände zurecht, z. B. ein Geldstück, eine Büroklammer, eine Murmel.... Nun nimmt man den ersten Gegenstand in die Hand und stellt zwischen ihm und einem wichtigen Stichwort der Rede eine gedankliche Verbindung her.
Dann nimmt man den zweiten Gegenstand in die Hand und verfährt ebenso. Hat man alle wichtigen Stichwörter der Rede mit den Gegenständen verknüpft, steckt man diese in seine Hosentasche. Während des Vortrags greift man in die Hosentasche und fühlt die einzelnen Gegenstände. Automatisch fallen einem die wichtigen Begriffe der Rede wieder ein – und man kann ohne Unterbrechung weitersprechen.


